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Auszug aus der Geschichte Egings
Von Dr. Franziska Jungmann-Stadler



BU: Ortsansicht aus dem Jahre 1925 (Foto: Privatarchiv Josef Blaschko)

Am Anfang stand ein Wirtshaus

Die erste sicher bezeugte Nachricht, die über Eging bekannt ist besagt, dass hier eine "Ehaft-Taverne" stand. Eine Taverne, lateinisch "taberna" war eine Schenke, ein Wirtshaus. Ein mittelalterliches Wirtshaus war aber nicht nur eine Stätte fröhlicher Geselligkeit, sondern war ein Platz, in dem reisende Kaufleute nachts unterkamen und ihre mitgeführten Waren sicher unterbringen und zugleich feilbieten.

Wer der Herr über eine Taverne war, der konnte Abgaben erheben, von den Kaufleuten und vom Wirt gleichermaßen. Wo eine Taverne war, war auch eine Straße, eine Handelsverbindung, von der Donau her nach Böhmen. Eine mittelalterliche Taverne war noch etwas anderes, sie war der Ort der Rechtspflege. Die "Ehaft-Rechte" waren die Niedergerichtsrechte. Darunter fielen die Bestrafung aller Vergehen, die mit Geldzahlungen erledigt werden konnten, ausgenommen die Vergehen, die mit dem Tod bestraft wurden. In der Taverne wurden Gerichtstage für die umwohnende Bevölkerung abgehalten. Der herzogliche Richter kam dreimal im Jahr und urteilte über alles, was es zu richten galt. Der bayerische Herzog benützte also die Taverne in Eging, um seine Gerichtsherrschaft über die Leute, die im näheren Umkreis wohnten, auszuüben.

Wem gehörte Grund und Boden?

Aus den Aufzeichnungen der bayerischen Herzöge über ihre Güter und Rechte wissen wir, dass die Leute, über die sie durch ihren Landrichter in der Taverne in Eging richteten, "Freisassen" genannt wurden. Diese Freisassen bebauten Güter, die dem Hochstift Bamberg gehörten. Seit der Gründung des Hochstifts Bamberg 1005 gehörte die Gegend zwischen dem Bach Schwarzach bei Hengersberg im Westen und der Ilz im Osten größtenteils zu Bamberg. Bamberg erhielt mit dieser Schenkung, die wohl Kaiser Heinrich II. vorgenommen hat, ein bereits mit Siedlungen durchsetztes Gebiet. Viele alte Ortsnamen mit der Endung -ing deuten darauf hin. Auch Eging ist solch ein -ing-Ort. In dem Namen steckt ein Personenname "Egino". Die älteste Namensform von Eging ist "Egning". Es läßt sich aber nicht sagen, wer dieser Egino war oder wann er den Ort gründete. Wir wissen erst zuverlässig von der Existenz des Ortes "Egning" seit Anfang des 13. Jahrhundertes. Sicher ist Eging aber älter, wahrscheinlich bestand es schon vor der Gründung Bambergs 1005. Dem Hochstift Bamberg gehörte in "Egning" ein "Gut", also ein Bauernhof. Der Bischof von Bamberg war daher der Grundherr. Der Bauer, der diesen Hof bebaute, mußte für die Überlassung Abgaben und Dienste leisten. Mann nannte das die Grundlasten. Sie bestanden allgemein für jeden Hof bis ins 19. Jahrhundert.

Ein anderer Grundherr in Eging und Umgebung war das Kloster Osterhofen. Es wurde kurz nach dem Jahre 1000 vom bayerischen Herzog gegründet und bald darauf an das Hochstift Bamberg verschenkt. Auch Osterhofen erhielt als Ausstattung Güter in unserer Gegend. Osterhofen richtete in Ruberting einen Verwaltungsmittelpunkt für seine in diesem Umkreis liegenden Bauernhöfe ein. Im Hochmittelalter gehörte also der Grund und Boden entweder direkt zum Hochstift Bamberg oder zum bambergischen Kloster Osterhofen. Dies blieb so bis ins 14. Jahrhundert.

Eging war Mautstation

Der alte Hausname "Weber auf der Maut" erinnert noch heute daran, daß in Eging seit dem Spätmittelalter bis ins 18. Jahrhundert eine Mautstation eingerichtet war. Es handelte sich um eine sogenannte Beimaut, eine Filiale des Mautamts Vilshofen. Was war eine Maut? Wir sagen heute "Zoll". Maut und Zoll bedeuteten seit der frühen Neuzeit das gleiche. Man versteht darunter eine vom Warenverkehr erhobene Abgabe. Wo eine Mautstation eingerichtet war, mußte auch eine wichtige Straße durchführen. Die Beimaut Eging lag an der Landstraße, die von Vilshofen nach Dießenstein führte. In Dießenstein traf die Straße von Vilshofen und auch eine von Deggendorf her auf die Chaussee (das war eine ausgebaute, befestigte Straße), die von Hals über Dießenstein nach Regen und Zwiesel führte. Mautstationen an Landstraßen wurden eingerichtet, um die dem Staat gehörenden Zolleinkünfte sicherzustellen. Die Beimauten sollten auch den Fuhrleuten Umwege ersparen. Der Mautner in Eging mußte bei den Fuhrleuten nicht nur die Maut einheben, sondern auch die Wegegelder, die für den Unterhalt der Straßen bestimmt waren. In Eging war, wenigstens zeitweise, der Wirt, wahrscheinlich der von Untereging, zugleich als Mautbeamter tätig.

Die Entstehung der modernen Gemeinde Eging

Seit 1802 wurde unter Staatsminister Graf Montgelas die staatliche Verwaltung Bayerns neu organisiert. 1803 wurden die geistlichen Stifte und Klöster aufgehoben und deren Gerichtsrechte eingezogen. Für das Kloster Osterhofen geschah das schon früher, es wurde bereits 1784 aufgehoben. Die Kurfürstin Maria Anna erwarb die Güter und richtete das Damenstift Osterhofen ein. Nördlich der Donau wurden die ehemaligen Güter des Klosters Osterhofen in der Hofmark Ranfels zusammengefaßt. 1806 wurde das Gebiet Englfing/Schöllnach im Westen bis zur Ilz im Osten zum Landgericht Passau geschlagen.

Als erste Maßnahme einer allgemeinen gleichmäßigen staatlichen Verwaltung wurde das Land in Steuerdistrikte eingeteilt. Alle Untertanen sollten gleichmäßig zu den Steuerlasten herangezogen werden und zwar auf der Grundlage einer genauen Landesvermessung. 1809 wurde auch für die Gemeinde Eging ein "Haus- und Rustikalsteuer-Kataster" angelegt, in dem zunächst auf Steuer veranlagt wurde. Der Steuerdistrikt Eging wurde nach dem 1. Gemeindebildungsedikt als Grundlage für die Bildung der politischen Gemeinde zugrunde gelegt. Auch nach dem 2. Gemeinde-Edikt 1818 änderte sich am Umfang der Gemeindeteile nichts mehr.

Zur Gemeinde Eging im Landgericht Passau gehörten seit 1818 folgende Orte: Albersdorf, Alzenhof, untere Einzendoblmühle, Gaisruck, Gaisruckmühle, Harmering, Kollmering, Kroissenhof, Kroißenmühle, Loipfering, Obereging, Otting, Passerting, Preinting, Ritzging, Ruberting und Untereging.

Seit 1861 bemühte sich die Gemeindeverwaltung, dem Landgericht Vilshofen zugeteilt zu werden. Erst 1879 war es so weit. Dann sahen die Behörden ein, daß sechs Gehstunden nach Passau zu weit waren, während Vishofen näher lag.

1867 hatte die ganze Gemeinde Eging in den 18 Gemeindeteilen 569 Einwohner. Erst 1899 kamen die Ortschaften Märzing, Hörmannsdorf und Rohrbach von der Gemeinde Außernzell zur Gemeinde Eging.

Vor fünfzig Jahren, am 22. Juni 1953, wurde der Ort Eging zum Markt erhoben. Im Januar 1956 wurde durch das Bayerische Innenministerium den Gemeindeteilen Ober- und Untereging, Albersdorf und Preinting der einheitliche Name Eging verliehen. Sie sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts allmählich siedlungsmäßig zusammengewachsen.

www.eging.de